5000 – 2200 v. Chr. Jungsteinzeit / Kupferzeit

Nun wird auch verstärkt „überregionaler“ Handel betrieben. Konkrete Nachweise für eine entsprechende Route durch unseren direkten Raum stehen indes noch aus. Weiter unten können sie das älteste Fundstück des Gemeindegebietes sehen.

Schon in der Jungsteinzeit (um 5000 v.Chr.) wurde nachweislich Handel über die Alpen hinweg betrieben. Ein Beispiel hierfür ist der ca. 5650 bis 4250 v.Chr. in Abensberg in einem riesigigen Bergwerkskomplex gewonnene Feuerstein, der bis in Siedlungen in Österreich (und auch der Tschechischen Republik) seine Verbreitung fand *103. Mit der südbayerischen Münchshöfener Kultur im Donauraumes (etwa 4500 bis 3900 v.Chr.) kam nachweislich Gerstenanbau auf *104. In der anschließenden Altheimer Gruppe die im Westen bis zum Lech, im Osten bis zum Inn verbreitet war, wurde auch verstärkt Nacktweizen angebaut. Aus dieser Zeit stammt übrigens auch bayerns ältester Hut, der im Kreis Landsberg am Lech gefunden wurde *105.

In Archäologie in Bayern, Fenster zur Vergangenheit, auf Seite 78 wird Karl Böhm zitiert. Er schreibt, mit einem Augenzwinkern, von der Erfindung des Maßkruges in der Münchshöfener Kultur. Dort wurden Gefäße bereits regelmäßig mit einem Rautenmuster verziert, das bereits sehr st5500 – 5000 vChr cache_35729717ark an „DAS“ bayerische Rautenmuster erinnert. Ferner wurde bei Aiterhofen-Ödmühle ein Krug gefunden der Herrn Böhm stark an einen Maßkrug erinnert. Das Gefäß hatte einen Henkel, der trotz der Gesamtgröße dazu dienen konnte, den Krug samt Inhalt bequem hochzuheben und daraus zu trinken. Das Fassungsvermögen entspricht mit etwa einem ¾ Liter dem alten bayerischen Schankmaß von drei Quartl (eig. Anm.: gelegentlich könnte man auf größeren Festen davon ausgehen dass auch heute noch nach diesem Maß ausgeschenkt wird).

In der Kupferzeit von 4200 bis 3600 v.Chr. tat sich indes insbesondere der Kiechlberg bei Innsbruck hier als Drehscheibe des interkulturellen Handels hervor *8. Nun sei es unserer Phantasie überlassen in welcher Entfernung ein solcher Handelsweg auch durch unsere Gegend geführt haben könnte, immerhin ist Innsbruck nur einen Steinwurf weit entfernt (für heutige Verhältnisse, damals war das eine weite und beschwerliche Reise). Die auch in den weiteren Epochen wichtigsten Routen über die Alpen verliefen jedoch über das Inntal und das Loisachtal, schon aus den natürlichen Bedingungen heraus. Insofern kann man sagen dass wir auch im Bereich des Handels in einem „blinden Fleck der Karte“ liegen.

Voller Stolz kann ich Ihnen hier Bilder vom ältesten bekannten von Menschenhand geschaffenen Fundstück unseres Gemeindegebiets zeigen. Es handelt sich um ein Erntemesser aus Plattenhornsilex, das von etwa 3.500 v.Chr. stammt. Es besitzt eine Länge von 7,5cm, ist an der breitesten Stelle 2,0cm breit und wiegt 13,4 Gramm: