Besiedelung der Region

Das Wasser war bei uns immer knapp, das erschwerte die Besiedelung. Menschen gab es bei uns aber dennoch schon seit langer Zeit.

Wenn Sie nun in diesem Kapitel auf eine genaue Nennung von Daten zu Siedlungen in unserem Gemeindegebiet hoffen, so muss ich Sie leider enttäuschen. Natürlich gibt es Daten zu denen „wir“ erstmals schriftlich erwähnt werden (selbst hier scheiden sich die Geister). Das hat aber mit der ursprünglichen Besiedelung unseres Gebietes nichts zu tun. Wie später noch zu lesen sein wird, gab es schon lange vor der schriftlichen Erwähnung Holzkirchens eine Besiedlung unseres Raumes. Leider ist eine exakte Datierung schwierig.

Gerade östlich unseres Gemeindegebietes, nahe der Mangfall, gibt es nachweisliche Siedlungsspuren die deutlich älter sind als jegliche Schriftstücke. Unser Gebiet ist hingegen mangels oberflächlicher Gewässer, aufgrund des tiefen Grundwasserspiegels (liegt auf rund 70 Meter) und auch fehlender Wasserquellen relativ ungeeignet für die vor- und frühzeitliche Besiedelung.
Im Teufelsgraben ist man dem Grundwasser naturgemäß jedoch deutlich näher, in früherer Zeit dürfte der Grundwasserspiegel im Allgemeinen noch etwas höher gelegen haben. Auch wenn die ausgewiesenen Gräber der Vor- und Frühgeschichte knapp nicht mehr unserem Gemeindegebiet zuzurechnen sind: da könnte doch etwas gewesen sein.

Trotzdem fand man auf dem Frauenberg bei Sufferloh eine Siedlungsgrube, deren enthaltene Grobkeramik in die Bronzezeit datiert. Erklären kann man die Vermeidung der genannten Wassernot ggf. durch einen zeitweilig höheren Grundwasserspiegel, eine mit Wasser gefüllte Senke oder die Verwendung von Zisternen zum Sammeln von Regen als Trinkwasser.

Basierend auf einer Untersuchung der frühmittelalterlichen Ortsnamenbildung ergibt sich das Bild, dass mit Ausnahme des unmittelbaren Alpenvorlandes unsere Region ab dem 6. Jhdt. über 200 Jahre lang relativ kontinuierlich erschlossen und besiedelt wurde. Alle für das frühe Mittelalter typischen Ortsnamen bzw. Endungen finden sich in einem bunten Nebeneinander. In dieser frühen Phase hatte die Kirche offensichtlich noch keinen wesentlichen Anteil an der Erschließung und Besiedelung *172.

Nach seiner Gründung Mitte des 8. Jhdt. stützte sich das Kloster Tegernsee die ersten gut zweihundert Jahre auf seine reichen Güter. Kultivierungstätigkeiten im relativ menschenleeren Tegernseer Tal bzw. den Gütern des Klosters wurden von diesem offensichtlich erst zu Beginn des 11. Jhdt. aufgenommen und fanden ihr Ende gegen 1200, im direkten Voralpenland eher noch etwas früher *153. In dieser „dritten Welle der Besiedelung“, also der des direkten Voralpenlandes, bildeten sich Orte in den Gebieten zwischen Waakirchen, Wall und Kreuth aus. Ein diesem Bereich handelte es sich um Einzelhof- oder Weilersiedlungen ohne größere geschlossene Zentren. Typisch hierfür sind Endungen wie –tal oder –berg sowie –reut oder –ried.