Die älteste schriftliche Erwähnung Holzkirchens -Teil I

Verfasst von Hans Widmann

Es ist eine der interessantesten Fragen in der Beschäftigung mit der Holzkirchner Geschichte, wie alt denn unser schöner Ort eigentlich ist. Um es gleich vorwegzunehmen, Das weiß wirklich niemand, man muss sich auf heute erhaltene Literaturquellen beschränken. Man kann also höchstens die Frage stellen, wann wird der Name Holzkirchen zum ersten Mal schriftlich erwähnt. Hat man das geklärt, heißt das aber auch nur, dass der Ort Holzkirchen da schon längst existiert hat.
Wie man vielleicht aus der Holzkirchner Chronik und der Tafel am Eingang des Holzkirchner Rathauses weiß, fängt die ganze Geschichte Holzkirchens damit an, dass nicht „der“ sondern „ein“ Ort Holzkirchen in den Urkunden der Deutschen Karolinger erwähnt wird. Und zwar beschrieben und übersetzt im vierten Band einer Reihe, betitelt „Die Urkunden Zwentibolds und Ludwigs des Kindes, bearbeitet von Theodor Schieffer im Jahre 1960. Die Urkunden, in denen der Name Holzkirchen genannt wird, stammen aus dem Jahre 906. Die Problematik, die sich mit dieser Nennung ergibt, wird später noch diskutiert.
Die vorliegende Arbeit ist auf mehrere Teile aufgeteilt. Diese werden getrennt nacheinander verfasst und vorgestellt:

Teil I – Die Erwähnung Holzkirchens in den Tegernseer Urbaren, Salbüchern und Traditionen

In den Chroniken des Oberlandes, speziell westlich der Mangfall bis zur Isar, beruft man sich meist auf dieselben Quellen, nämlich auf die alten Bücher und Akten des Kloster Tegernsee, ist doch genau dieser Teil des Oberlandes das alte Kerngebiet des Klosters. Interessanterweise tauchen dabei stets zwei Jahreszahlen der ersten Erwähnung unserer Dörfer und Märkte auf. Die einen geben das Jahr 1286 (manchmal auch 1256) an, die andere Hälfte der Chroniken meinen, das Jahr 1017 wäre die richtige Angabe der ersten Erwähnung, die dann noch dazu oft mit der Entstehungszeit ihres Ortes verwechselt werden. Auch im Holzkirchner Rathaus steht als erste Erwähnung Holzkirchens das Jahr 1286. Jeder beruft sich auf die gleichen Quellen.
Doch wie kann das sein, liegen doch ca. 250 Jahre zwischen beiden Angaben? Es können ja nicht beide Aussagen richtig sein, auch wenn das niemand wirklich zu stören scheint.

Recherchiert man nun im Münchner Hauptstaatsarchiv, so sind die Klosterliteralien KL1 bis KL2 die ersten Urbare, also Besitz- und Abgaben- oder Einnahmensverzeichnisse, die vom Kloster Tegernsee erhalten sind. Die nachstehende Abbildung zeigt das Deckblatt von dem Urbar KL1. Dieses Urbar (also das Besitzverzeichnis) ist demnach auf Veranlassung von Abt Ellinger geschrieben worden und zwar im Jahre 1017. Doch damit fangen die Schwierigkeiten an: Die Zeitangabe 1017 stimmt auf jeden Fall mit der Amtszeit von Abt Ellinger überein.

Was aber spricht nun dagegen? Ganz offensichtlich ist die Schrift auf dem Deckblatt des Urbars nicht aus der Zeit des hohen Mittelalters, also des 11. Jahrhunderts. Diese stammt mit Sicherheit aus einer späteren Zeit. Das muss aber nicht viel bedeuten. Es kann gut sein, dass das Urbar damals schon beschädigt oder zerfallen war, dass es neu gebunden und mit einem neuen Deckblatt versehen wurde. Aber was ist mit dem Text im Urbar selbst? Hier wird es richtig schwierig. Schaut man in ein Register, das vor etwa 100 Jahren von irgendwelchen Angestellten oder Studenten im Münchner Hauptstaatsarchiv verfasst wurde und das sich heute noch dort im Repertoriumzimmer als Nachschlagewerk über die Dokumente und Bücher des Klosters Tegernsee (und anderer Kloster) befindet, so kann man dort Folgendes lesen. „Das Urbar KL 1 von Tegernsee stammt aus dem Jahre 1017 und beinhaltet ein Verzeichnis aller Besitzungen des Klosters.“

erwähnung Holzkirchen

Damit wäre eigentlich alles klar, gäbe es nicht noch in diesem Buch ein paar eingelegte zusätzliche Seiten mit folgender Notiz: „KL4 Tegernsee (Titel: Urparpuech) ist angeblich auf Befehl von Abt Ulrich 1256 angelegt worden. Es wurde von Archivdirektor L. Baumann für das älteste der Tegernseer Urbare erklärt. KL 3 trägt von einer Hand des 18. Jhdts. eine Aufschrift auf der Außenseite des Vorderdeckels, welche mit den Worten beginnt: „Urbarium antiquissimum omnium praediorum Tegernseensium de anno 1017 sub Ellingero abbate …conscriptum“. Lit 3 ist aber wahrscheinlich gleichfalls aus dem 13. Jhdt., ist aber älter als Lit 4. Lit 1 ist älter als die Urbare zuvor! …. Die Entstehungszeit von Lit 1 genauer festzulegen, ist mir aber nicht gelungen; der Schrift nach gehört es aber ebenfalls dem 13. Jhdt. an und entstand folglich nicht sehr viel früher als die beiden anderen Urbare.“ Das stünde aber nicht der oben geäußerten Annahme entgegen, dass es sich hierbei um Abschriften mit fortlaufend nachgetragenen neueren Änderungen von älteren Vorlagen handelt.“ Das würde bedeuten, dass man davon ausgehen kann, dass zumindest die inhaltlichen Aussagen in diesem Urbar über die darin beschriebenen Anwesen wirklich im Jahre 1017 beginnen.
Hier nun eine Transkription des Urbars KL1 aus dem Historischen Atlas von Bayern über das Klostergericht Tegernsee, verfasst von Ludwig Holzfurtner. Das Urbar beginnt mit dem Titel „Liber possessionum“, also „Buch der Besitzungen“.

So kann man unter Zeile 1 lesen, dass Holzkirchen damals bereits als Markt („de foro“) genannt wird mit 10 Anwesen, die 10 Urnen Honig abliefern müssen. Interessant ist auch, dass bereits in diesem ersten Urbarbuch die Nachbardörfer Puoch (Puch), Tanne (Thann), Suverloch (Sufferloh), Harpenningen (Hartpenning) mit Erwähnung der verschiedenen Huben, Munichpuch (Buch), Westernharpenningen (Kleinhartpenning), Arasperg (Asberg), Leiten (Leithen), Reut (Reith) und Ried (Ried) ebenfalls aufgezählt werden. Diese Dörfer sind ja heute allesamt eingemeindet nach Holzkirchen. Dörfer wie Föching tauchen in dieser Aufzählung dagegen nicht auf, da diese nie zum Herrschaftsbereich vom Kloster Tegernsee gehört haben, sondern zum Beispiel dem Kloster Weyarn gehörten.

Wenn Sie mehr lesen wollen, laden Sie hier kostenlos das PDF „Die älteste schriftliche Erwähnung Holzkirchens“ herunter.